Photovoltaik Angebote vergleichen: Die Checkliste mit 12 Prüfpunkten
By PVFirms Redaktion, Published on 2026-10-24 • 7 min read

Wer Photovoltaik Angebote vergleichen will, merkt schnell: Der Endpreis allein sagt wenig. Ein Angebot über 14.000 Euro kann günstiger sein als eines über 12.500 Euro, wenn beim zweiten Gerüst, Zählerschrank und Netzanmeldung fehlen. Umgekehrt ist das teuerste Angebot nicht automatisch das beste.
Diese Checkliste hilft Ihnen, PV-Angebote Punkt für Punkt nebeneinanderzulegen. Sie gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Wo sich die Länder unterscheiden, weisen wir am Ende darauf hin.
Kurz gesagt:
- Holen Sie mindestens drei Angebote für dieselbe Anlagengröße und denselben Leistungsumfang ein.
- Vergleichen Sie genaue Typenbezeichnungen, eine nachvollziehbare Ertragsprognose und alle Nebenkosten.
- Rechnen Sie fehlende Positionen hinzu, bevor Sie den Preis pro kWp vergleichen.
- Achten Sie auf getrennt ausgewiesene Garantien und einen Zahlungsplan nach Baufortschritt.
Bevor Sie ein PV-Angebot einholen: gleiche Ausgangslage schaffen
Vergleichbar werden Angebote nur, wenn alle Anbieter dieselben Informationen erhalten. Stellen Sie deshalb vorab ein kurzes Paket zusammen:
- Jahresstromverbrauch der letzten zwei Jahre, plus geplante Verbraucher wie E-Auto oder Wärmepumpe
- Fotos von Dach, Dachboden, Zählerschrank und Hausanschluss
- Dachmaße oder einen Link zu Luftbildern sowie das Alter der Dacheindeckung
- Wünsche: Speicher ja oder nein, Wallbox, Notstrom, bevorzugte Modulfarbe
Geben Sie allen Anbietern dieselbe Zielgröße vor, zum Beispiel „rund 10 kWp, Speicher optional". Bestehen Sie bei Dachanlagen auf einem Vor-Ort-Termin oder zumindest einer fundierten Prüfung von Dach und Zählerschrank. Angebote, die nur auf einer Satellitenaufnahme beruhen, übersehen häufig Kosten. Welche Anlagengröße zu Ihnen passt, klärt vorab unser Ratgeber Wie viel kWp brauche ich?.
Solaranlage Angebot Checkliste: die 12 Prüfpunkte
| Nr. | Prüfpunkt | Was im Angebot stehen sollte | Warnsignal |
|---|---|---|---|
| 1 | Module | Hersteller, genaue Typenbezeichnung, Leistung, Anzahl | Nur „Markenmodule" oder „Tier-1" |
| 2 | Wechselrichter | Hersteller, Typ, Nennleistung | Keine Typangabe |
| 3 | Speicher | Nutzbare Kapazität in kWh, erweiterbar ja oder nein | Nur Bruttokapazität |
| 4 | Belegungsplan | Skizze mit Modulanordnung und Abständen | Kein Plan |
| 5 | Ertragsprognose | kWh pro Jahr, Ausrichtung, Neigung, Verschattung | Ertrag ohne Annahmen |
| 6 | Unterkonstruktion | Hersteller, statische Eignung, Dachhaken | „Montagematerial" pauschal |
| 7 | Gerüst | Enthalten, mit Seitenangabe | „Bauseits" ohne Hinweis |
| 8 | Zählerschrank | Prüfung erfolgt, Umbau beziffert | „Nach Aufwand" |
| 9 | Netzanmeldung | Antrag und Inbetriebnahme durch den Betrieb | Nicht erwähnt |
| 10 | Garantien | Getrennt für Module, Wechselrichter, Speicher, Montage | Nur Herstellerangaben |
| 11 | Zahlungsplan | Raten nach Baufortschritt | Hohe Vorkasse |
| 12 | Zeitplan | Montagezeitraum, Gültigkeit des Angebots | „Nur heute gültig" |
Drucken Sie die Tabelle aus und haken Sie jedes Angebot ab. Was nach dem Abgleich noch offen ist, klären Sie schriftlich mit dem Anbieter.
PV-Angebot prüfen: die Technik im Detail
Module. Mit der Typenbezeichnung können Sie das Datenblatt nachschlagen: Wirkungsgrad, Glas-Glas oder Glas-Folie, Produkt- und Leistungsgarantie. Unterschiede im Detail erklärt unser englischsprachiger Leitfaden zur Modultechnik.
Wechselrichter. Seine Leistung darf etwas unter der Modulleistung liegen, das ist üblich und sinnvoll. Wird ein Speicher später nachgerüstet, sollte er ein Hybridgerät sein oder ein passender Batteriewechselrichter eingeplant werden.
Ertragsprognose. Teilen Sie den prognostizierten Jahresertrag durch die Anlagenleistung. In Deutschland liegen typische Werte bei 900 bis 1.100 kWh pro kWp, in Österreich und im Schweizer Mittelland ähnlich, in alpinen Lagen auch höher. Weicht ein Angebot deutlich nach oben ab, fragen Sie nach den Annahmen. Eine schöngerechnete Prognose verbessert nur das Papier, nicht die Anlage.
Speicher. Vergleichen Sie immer die nutzbare Kapazität, nicht die Bruttokapazität. Fragen Sie außerdem nach der Ladeleistung, nach der Notstrom- oder Ersatzstromfähigkeit und danach, ob sich der Speicher später um Module erweitern lässt. Zwei Speicher mit „10 kWh" auf dem Papier können sich im Alltag deutlich unterscheiden.
Eigenverbrauchsschätzung. Gute Angebote nennen neben dem Ertrag auch, wie viel Solarstrom Sie voraussichtlich selbst nutzen. Diese Zahl entscheidet stärker über die Wirtschaftlichkeit als ein paar Prozent mehr Modulwirkungsgrad.
Die Nebenkosten, die Angebote unvergleichbar machen
In diesen Positionen verstecken sich die größten Unterschiede:
- Zählerschrank: Muss er erneuert werden, kommen als Richtwert schnell 1.500 bis 4.000 Euro hinzu.
- Gerüst: Ein Einfamilienhaus kostet als Richtwert 500 bis 1.500 Euro, je nach Höhe und Seitenzahl.
- Kabelwege: Lange Wege vom Dach zum Technikraum oder Durchbrüche durch Brandschutzwände treiben den Aufwand.
- Überspannungsschutz und Potenzialausgleich: Manche Angebote enthalten ihn, andere nicht.
- Monitoring und Energiemanagement: Teilweise als Zubehör mit Aufpreis.
- Entsorgung von Verpackung und Altmaterial.
Fragen Sie bei jeder Position nach, ob sie enthalten ist. Steht „nach Aufwand" im Angebot, bitten Sie um eine Obergrenze.
Rechenbeispiel: drei Angebote auf einen Nenner bringen
Ein Beispiel mit fiktiven Angeboten für dieselbe 10-kWp-Anlage ohne Speicher:
| Angebot | Angebotspreis | Fehlende Positionen | Zuschlag (Richtwert) | Bereinigter Preis | Euro pro kWp |
|---|---|---|---|---|---|
| A | 12.900 € | Gerüst | 900 € | 13.800 € | 1.380 € |
| B | 14.600 € | keine | 0 € | 14.600 € | 1.460 € |
| C | 11.800 € | Zählerschrank, Netzanmeldung | 3.000 € | 14.800 € | 1.480 € |
Das vermeintlich günstigste Angebot C ist nach der Bereinigung das teuerste. Zwischen A und B entscheiden nun Qualität und Garantien: Bietet B hochwertigere Module oder eine längere Gewährleistung auf die Montage, kann der Aufpreis gerechtfertigt sein. Richtwerte für die einzelnen Kostenposten finden Sie in unserem Beitrag zu den Kosten einer PV-Anlage.
Garantien und Zahlungsplan richtig lesen
Garantie und Gewährleistung sind zwei verschiedene Dinge. Die Gewährleistung ist gesetzlich und richtet sich gegen den Betrieb, der die Anlage installiert. Garantien sind freiwillige Zusagen, meist des Herstellers. Ein gutes Angebot nennt beides getrennt: Produkt- und Leistungsgarantie der Module, Garantie auf Wechselrichter und Speicher, Gewährleistung auf die Montage.
Beim Zahlungsplan gilt: Zahlen Sie nach Leistung. Ein gängiges Muster ist eine Rate nach Materiallieferung, eine nach Montage und eine nach Inbetriebnahme und Netzanmeldung. Hohe Vorkasse vor Lieferung ist ein Risiko, falls der Betrieb in Schwierigkeiten gerät. Woran Sie solche Anbieter erkennen, erklärt unser Ratgeber zu unseriösen Photovoltaik-Anbietern.
Österreich und Schweiz: Was beim Vergleich anders ist
Österreich: Prüfen Sie, ob das Angebot eine Förderung einrechnet und wer den Antrag stellt. Förderungen wie der Investitionszuschuss über die OeMAG haben eigene Fristen und Bedingungen. Klären Sie zudem, wie die Umsatzsteuer ausgewiesen ist, weil sich die Regeln zuletzt geändert haben.
Schweiz: Angebote nennen oft einen Preis vor Abzug der Einmalvergütung von Pronovo und kantonaler Förderbeiträge. Vergleichen Sie Bruttopreise und Förderung getrennt. Achten Sie darauf, dass Meldeverfahren, Anschlussgesuch beim Netzbetreiber und Sicherheitsnachweis enthalten sind.
Seriöse Solarteure für Ihren Angebotsvergleich finden
Für einen fairen Vergleich brauchen Sie drei Betriebe, die Ihre Region abdecken. Im Installateur-Verzeichnis von PVFirms filtern Sie nach Land, Region und Verifizierungsstatus und fordern Angebote direkt über das Firmenprofil an. Die Anfrage ist kostenlos.
Der Status im Profil hilft bei der Vorauswahl. Was die Stufen „Listed", „Verified" und „Premium Partner" bedeuten und welche Dokumente geprüft werden, erklärt die Seite zur Verifizierung. Weitere Auswahlkriterien jenseits des Preises sammelt der PVFirms-Leitfaden zur Wahl eines Solarinstallateurs.
Häufige Fragen
Wie viele PV-Angebote sollte ich einholen?
Drei vergleichbare Angebote sind ein guter Richtwert. Mit weniger fehlt der Maßstab, mit deutlich mehr wird der Vergleich unübersichtlich und kostet viel Zeit für Vor-Ort-Termine. Wichtiger als die Zahl ist, dass alle Anbieter dieselbe Ausgangslage kennen und dieselbe Anlagengröße kalkulieren.
Ist ein Angebot ohne Vor-Ort-Termin seriös?
Für eine erste Preisindikation ja, als Grundlage für einen Auftrag eher nicht. Ohne Besichtigung bleiben Zustand des Dachs, Kabelwege und Zählerschrank oft unklar. Viele Betriebe arbeiten mit Luftbildern und Fotos vor und kommen dann vor Auftragserteilung vorbei. Bestehen Sie darauf, dass der Endpreis erst nach dieser Prüfung feststeht.
Was ist ein fairer Preis pro kWp?
Für eine 10-kWp-Anlage in Deutschland gelten 2026 als Richtwert etwa 1.200 bis 1.700 Euro pro kWp, montiert und ohne Speicher. Kleinere Anlagen liegen pro kWp höher. In der Schweiz und teilweise in Österreich sind die Preise anders strukturiert. Entscheidend ist, dass Sie nur bereinigte Preise mit gleichem Leistungsumfang vergleichen.
Darf ich Angebote verschiedener Anbieter miteinander verhandeln?
Ja, das ist üblich. Nennen Sie konkrete Punkte, etwa ein fehlendes Gerüst oder einen günstigeren Speicher im Vergleichsangebot. Seriöse Betriebe erklären Unterschiede oder passen Positionen an. Vorsicht bei Preisnachlässen, die nur durch billigere Komponenten zustande kommen, ohne dass dies offen gesagt wird.
Wie lange ist ein PV-Angebot gültig?
Üblich sind zwei bis vier Wochen, weil sich Komponentenpreise und Auslastung der Betriebe ändern. Ein Angebot, das nur am selben Tag gilt, ist dagegen ein Druckmittel. Wenn Sie mehr Zeit für den Vergleich brauchen, fragen Sie nach einer Verlängerung. Seriöse Anbieter haben damit in der Regel kein Problem, solange sich die Preise nicht wesentlich verändert haben.
Jetzt Angebote einholen
Stellen Sie Ihr Infopaket zusammen und fragen Sie drei Fachbetriebe aus Ihrer Region an. Geprüfte Betriebe finden Sie im PVFirms-Verzeichnis für Deutschland, Österreich und die Schweiz.