Agri-PV in Deutschland: DIN SPEC 91434, Förderung und Wirtschaftlichkeit

By PVFirms Redaktion, Published on 2026-10-24 • 6 min read

Agri-PV in Deutschland: DIN SPEC 91434, Förderung und Wirtschaftlichkeit

Agri-PV bedeutet, dass auf derselben Fläche gleichzeitig Landwirtschaft betrieben und Solarstrom erzeugt wird. Anders als beim klassischen Solarpark bleibt der Acker, das Grünland oder die Obstanlage in Bewirtschaftung. Die Module stehen entweder hoch über den Kulturen oder in Reihen mit breiten Gassen, durch die Maschinen fahren.

Für Landwirte ist Agri-Photovoltaik ein zweites Standbein, ohne die Fläche aus der Produktion zu nehmen. Für Projektierer erschließt sie Flächen, die für normale Freiflächenanlagen oft nicht in Frage kommen. Der Preis dafür: höhere Baukosten und ein anspruchsvolleres Genehmigungs- und Bewirtschaftungskonzept. Dieser Beitrag erklärt, was als Agri-PV zählt, wie der Förderrahmen funktioniert und wann sich Agri-PV wirtschaftlich trägt.

Kurz gesagt:

  • Maßstab für die Abgrenzung ist in Deutschland die DIN SPEC 91434 mit zwei Kategorien.
  • Das EEG behandelt Agri-PV als besondere Solaranlage mit eigenen Ausschreibungsregeln. Details ändern sich, daher stets aktuell prüfen.
  • Hoch aufgeständerte Systeme kosten pro kWp deutlich mehr als bodennahe oder vertikale Anlagen.
  • Wirtschaftlich entscheidend sind Kulturwahl, Bauform und das Betreibermodell zwischen Landwirt und Investor.

Was als Agri-PV gilt: die DIN SPEC 91434

Die DIN SPEC 91434 legt fest, welche Anforderungen eine Anlage erfüllen muss, damit die landwirtschaftliche Nutzung im Vordergrund bleibt. Nach unserem Kenntnisstand unterscheidet sie zwei Kategorien:

  • Kategorie I: Aufständerung mit großer lichter Höhe, Bewirtschaftung unter den Modulen. Typisch für Obst, Beeren, Wein oder Sonderkulturen.
  • Kategorie II: bodennahe Aufständerung, Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen. Typisch für Ackerbau und Grünland, etwa mit vertikalen bifazialen Modulen.

Zentral sind außerdem eine Obergrenze für den Flächenverlust durch Stützen und Fundamente, ein Mindestanteil des landwirtschaftlichen Ertrags im Vergleich zu einer Referenzfläche und ein schriftliches landwirtschaftliches Nutzungskonzept. Die genauen Grenzwerte sollten Sie der aktuellen Fassung der Norm entnehmen. Wichtig für die Praxis: Eine normale Freiflächenanlage mit Schafbeweidung ist nicht automatisch Agri-PV.

Agri-PV in der Landwirtschaft: Bauformen und passende Kulturen

Bauform Geeignete Nutzung Stärken Schwächen
Hoch aufgeständert (Kategorie I) Obst, Beeren, Wein, Gemüse Schutz vor Hagel, Starkregen und Sonnenbrand, Bewirtschaftung unter den Modulen Höchste Baukosten, aufwendige Statik
Vertikal bifazial (Kategorie II) Grünland, Ackerbau mit breiten Gassen Geringer Flächenverlust, Ertragsspitzen morgens und abends Fahrgassenbreite bindet an Maschinenpark
Nachgeführte Reihen (Kategorie II) Ackerbau Hoher Stromertrag, Module können für Bewirtschaftung gestellt werden Mehr bewegliche Teile, Wartung
Agri-PV mit Tierhaltung Geflügel, Schafe Witterungsschutz für Tiere Anforderungen an das Tierwohlkonzept

Die vertikale Ost-West-Ausrichtung hat einen Nebeneffekt, der für die Vermarktung interessant ist: Sie erzeugt weniger in der Mittagsspitze und mehr in den Morgen- und Abendstunden, wenn Strom am Markt oft mehr wert ist.

Agri-Photovoltaik-Förderung: EEG, Agrarrecht und Baurecht

Der Förderrahmen hat sich in den letzten Jahren mehrfach verändert. Die folgende Übersicht beschreibt die Mechanismen. Konkrete Höchstwerte, Boni und Ausschreibungsvolumina prüfen Sie bitte vor jeder Kalkulation bei der Bundesnetzagentur.

EEG: Agri-PV zählt zu den sogenannten besonderen Solaranlagen. Für die Marktprämie nehmen größere Anlagen an den Ausschreibungen für Freiflächenanlagen teil. Mit dem Solarpaket I wurde nach unserem Kenntnisstand ein eigenes Untersegment für besondere Solaranlagen eingeführt, außerdem ein Aufschlag für hoch aufgeständerte Anlagen. Ob und in welcher Höhe diese Regeln für Ihren Gebotstermin gelten, ist im Einzelfall zu prüfen.

Agrarförderung: Flächen unter Agri-PV-Anlagen können unter bestimmten Bedingungen weiterhin für die Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik förderfähig bleiben. Voraussetzung ist im Kern, dass die landwirtschaftliche Nutzung überwiegt und der Flächenverlust begrenzt bleibt. Klären Sie das mit Ihrer Landwirtschaftsverwaltung.

Baurecht: Kleinere Agri-PV-Anlagen, die in räumlich-funktionalem Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen Betrieb stehen, sind im Außenbereich unter bestimmten Voraussetzungen baurechtlich privilegiert. Größere Anlagen brauchen in der Regel einen Bebauungsplan der Gemeinde.

Einige Bundesländer und Programme fördern Agri-PV zusätzlich über Investitionszuschüsse oder Forschungsprojekte. Ein Gespräch mit der Landwirtschaftskammer oder dem Landesministerium lohnt sich. Welche bundesweiten Instrumente es für Photovoltaik generell gibt und wo Sie die aktuellen Konditionen nachlesen, fasst der Förderleitfaden für Deutschland zusammen.

Agri-PV-Wirtschaftlichkeit: Kosten und Erlösmodelle

Investitionskosten (Richtwerte 2026)

Die Spannen sind breit, weil der Markt jung ist und die Konstruktionen stark variieren. Alle Werte netto pro kWp, ohne Netzanschluss:

System Richtwert pro kWp
Konventionelle Freiflächenanlage (Vergleich) 450–700 €
Vertikale bifaziale Agri-PV 600–900 €
Nachgeführte Agri-PV 650–1.000 €
Hoch aufgeständerte Agri-PV 800–1.300 €

Dazu kommen projektabhängig Netzanschluss, Zaun, Ausgleichsmaßnahmen und Gutachten.

Vier Erlösmodelle im Vergleich

  1. Landwirt investiert selbst: höchste Wertschöpfung, aber hoher Kapitalbedarf. Eigenverbrauch auf dem Hof, etwa für Kühlung, Trocknung oder Bewässerung, verbessert die Rechnung.
  2. Verpachtung an einen Projektierer: Der Landwirt erhält Pacht und bewirtschaftet die Fläche weiter. Agri-PV-Pachten liegen oft unter denen klassischer Solarparks, weil die Ernte beim Landwirt bleibt. Allgemeine Pachtrichtwerte vergleicht unser Beitrag zur Solarpark-Pacht pro Hektar.
  3. Beteiligungsmodell: Landwirt, Gemeinde oder Bürgerenergiegesellschaft halten Anteile an der Betreibergesellschaft.
  4. Förderfreie Vermarktung: Der Strom wird ganz oder teilweise über einen langfristigen Liefervertrag verkauft. Wie das funktioniert, beschreibt der Beitrag zu PPA in der Photovoltaik.

Ein Rechenbeispiel ohne konkrete Tarife: Hat eine Kategorie-I-Anlage etwa die doppelten Baukosten einer Freiflächenanlage, muss die Mehrinvestition über Förderaufschläge, höhere Strommarktwerte, eingesparte Kosten für Hagelnetze oder Folientunnel und den gesicherten Ernteertrag gedeckt werden. Diese Bilanz sollten Sie gemeinsam mit einem Agrar- und einem Energieberater aufstellen.

Stolpersteine in der Projektpraxis

  • Maschinenbreiten: Gassen und Durchfahrtshöhen müssen zum heutigen und künftigen Maschinenpark passen.
  • Bodenschutz: Bauarbeiten bei nassem Boden verdichten den Acker auf Jahre. Ein Bodenschutzkonzept gehört in den Bauvertrag.
  • Nutzungskonzept: Die Bewirtschaftung muss über die gesamte Laufzeit gesichert sein, auch bei Pächterwechsel.
  • Netzanschluss: Wie bei jedem Solarpark ist die Netzanschlusszusage häufig der Engpass.
  • Generalunternehmer: Für hoch aufgeständerte Systeme braucht es Erfahrung mit Statik und Gründung. Wie Sie den Bauauftrag vergeben, erklärt unser Ratgeber zur Auswahl eines EPC-Partners für den Solarpark.

Agri-PV-Spezialisten finden

Agri-PV ist ein Nischenmarkt, in dem Erfahrung zählt. PVFirms führt eine eigene Kategorie Agri-PV und Batteriespeicher, in der mit Stand Oktober 2026 rund 137 Unternehmen gelistet sind, von Systemherstellern über Planer bis zu Projektentwicklern. Filtern Sie nach Deutschland und prüfen Sie im Profil, ob Referenzen mit Ihrer Kultur vorliegen.

Einen kuratierten Überblick über Anbieter in Europa gibt der Leitfaden Agrivoltaics-Unternehmen in Europa. Für regionale Elektro- und Montagepartner nutzen Sie die Seite Solarfirmen in Deutschland. Die Kontaktaufnahme über die Profile ist kostenlos.

Häufige Fragen

Darf ich auf Ackerland eine Agri-PV-Anlage bauen?

Grundsätzlich ja, wenn die landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleibt und das Baurecht es zulässt. Kleinere hofnahe Anlagen können privilegiert sein, größere brauchen meist einen Bebauungsplan. Schutzgebiete und regionale Raumordnungspläne können Einschränkungen enthalten.

Verliere ich mit Agri-PV meine Agrarförderung?

Nicht zwingend. Unter bestimmten Bedingungen bleibt die Fläche für Direktzahlungen förderfähig, solange die Landwirtschaft überwiegt und der Flächenverlust begrenzt ist. Die Voraussetzungen werden von der Agrarverwaltung des Landes geprüft. Holen Sie die Bestätigung vor Vertragsunterzeichnung ein.

Welche Kulturen eignen sich am besten?

Gute Erfahrungen gibt es mit Beeren, Obst und Sonderkulturen, die von Schutz vor Hagel und Sonnenbrand profitieren. Grünland und Ackerbau funktionieren mit vertikalen oder nachgeführten Systemen. Lichtbedürftige Kulturen brauchen eine angepasste Modulbelegung.

Ist Agri-PV wirtschaftlicher als ein normaler Solarpark?

Rein auf den Strom bezogen meist nicht, weil die Baukosten höher sind. Agri-PV kann sich aber lohnen, wenn Förderaufschläge, Ernteschutz und der erhaltene landwirtschaftliche Ertrag zusammenkommen oder eine normale Freiflächenanlage am Standort gar nicht genehmigungsfähig wäre.

Ihre nächsten Schritte zum Agri-PV-Projekt

Erstellen Sie zuerst ein Nutzungskonzept für Ihre Kultur und klären Sie mit der Gemeinde, welcher baurechtliche Weg in Frage kommt. Anschließend sprechen Sie mit erfahrenen Anbietern aus der Agri-PV-Kategorie auf PVFirms.