Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren: Wie viel Heizstrom die PV-Anlage wirklich liefert

By PVFirms Redaktion, Published on 2026-10-24 • 7 min read

Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren: Wie viel Heizstrom die PV-Anlage wirklich liefert

Photovoltaik und Wärmepumpe gelten als ideales Paar: Die Solaranlage erzeugt Strom auf dem eigenen Dach, die Wärmepumpe macht daraus mit wenig Aufwand Wärme. In der Praxis gibt es allerdings einen Haken, den manche Angebote verschweigen. Den meisten Heizbedarf haben Sie im Dezember und Januar, den meisten Solarstrom liefert die Anlage zwischen Mai und August.

Trotzdem lohnt sich die Kombination in vielen Einfamilienhäusern. Hier lesen Sie, welchen Solarstromanteil Sie realistisch erwarten können, welche Technik dafür nötig ist und was bei Förderung und Netzregeln in Deutschland und Österreich gilt.

Kurz gesagt:

  • Über das Jahr deckt die PV-Anlage nur einen Teil des Wärmepumpenstroms: im Winter wenig, in der Übergangszeit und beim Warmwasser im Sommer viel.
  • SG-Ready oder eine digitale Schnittstelle plus Energiemanager erhöhen den Solaranteil. Der Warmwasserspeicher ist dabei oft der günstigste „Akku“.
  • Neue Wärmepumpen über 4,2 kW gelten in Deutschland als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG, im Gegenzug sinken die Netzentgelte.
  • Bezuschusst wird in Deutschland die Wärmepumpe über die BEG-Heizungsförderung, nicht die PV-Anlage. Konditionen vor Vertragsabschluss prüfen.

Wärmepumpe mit PV: Der Jahresverlauf entscheidet

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht in einem ordentlich gedämmten Haus typischerweise eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von etwa 3 bis 4, Erdwärmepumpen liegen meist darüber. Aus einer Kilowattstunde Strom werden also drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Braucht Ihr Haus zum Beispiel 15.000 kWh Wärme im Jahr, benötigt die Wärmepumpe bei einer JAZ von 3,5 rund 4.300 kWh Strom.

Wie viel davon direkt vom Dach kommen kann, hängt vom Zeitpunkt ab. Die Übersicht zeigt das typische Muster in Mitteleuropa:

Zeitraum Wärmebedarf PV-Ertrag Solarstromanteil an der Wärmepumpe
Dezember bis Februar sehr hoch gering, kurze Tage niedrig
März, April, Oktober mittel mittel bis gut mittel bis hoch
Mai bis September nur Warmwasser hoch hoch, oft nahezu vollständig
November hoch gering niedrig

Ohne Speicher und Steuerung liegt der Solarstromanteil der Wärmepumpe über das Jahr deshalb meist deutlich unter der Hälfte. Einen exakten Prozentwert kann niemand seriös versprechen, ohne Gebäude und Nutzerverhalten zu kennen. Verlangen Sie vom Fachbetrieb eine Simulation mit Ihren Verbrauchsdaten statt Slogans wie „Heizen zum Nulltarif“.

PV-Anlage für die Wärmepumpe richtig dimensionieren

Eine Wärmepumpe kann den Stromverbrauch eines Haushalts ohne Weiteres verdoppeln. Die PV-Anlage sollte deshalb größer ausfallen als für den reinen Haushaltsstrom. Bewährte Leitlinien:

  • Dach ausnutzen: In Wärmepumpen-Haushalten ist eine möglichst große Anlage meist sinnvoll. Jedes zusätzliche kWp bringt auch an trüben Wintertagen etwas mehr Grundertrag.
  • Ausrichtung mitdenken: Steil geneigte Südflächen liefern im Winter mehr, weil die Sonne tief steht. Ost-West-Belegungen verteilen den Ertrag dafür besser über den Tag.
  • Wärmepumpe nicht überdimensionieren: Ein zu großes Gerät taktet häufig und arbeitet ineffizient. Eine raumweise Heizlastberechnung ist die Grundlage jeder sauberen Planung.
  • Alle Verbraucher zusammen planen: Haushaltsstrom, Wärmepumpe und gegebenenfalls ein E-Auto gehören in eine gemeinsame Rechnung.

Als Faustwert liefert ein kWp in Deutschland typischerweise 900 bis 1.100 kWh pro Jahr, in sonnigen Lagen Österreichs teils etwas mehr. Wie Sie daraus die passende Anlagengröße ableiten, zeigt unser Ratgeber Wie viel kWp brauche ich?.

PV und Wärmepumpe kombinieren: SG-Ready, EEBus und Energiemanager

Damit die Wärmepumpe bevorzugt dann läuft, wenn die Sonne scheint, braucht sie ein Signal. Dafür gibt es drei gängige Wege.

SG-Ready: Das Label des Bundesverbands Wärmepumpe beschreibt eine Schnittstelle mit vier Betriebszuständen, geschaltet über zwei Kontakte. Neben Sperre und Normalbetrieb gibt es eine Einschaltempfehlung und einen Einschaltbefehl. Meldet der Energiemanager Überschuss, hebt die Wärmepumpe die Solltemperatur für Warmwasser oder Pufferspeicher an und „lädt“ Wärme ein.

Digitale Protokolle: Neuere Geräte kommunizieren über EEBus oder herstellereigene Schnittstellen mit Wechselrichter und Energiemanager. Das erlaubt eine feinere Regelung, setzt aber voraus, dass alle Komponenten dieselbe Sprache sprechen.

Energiemanagementsystem (HEMS): Es misst den Strom am Netzanschlusspunkt und verteilt Überschüsse nach Prioritäten, etwa zuerst Batterie, dann Warmwasser, dann Wallbox.

Fragen Sie im Angebot konkret nach, welche Schnittstellen die Komponenten unterstützen und ob die Kombination vom Hersteller freigegeben ist. Nachträgliche Bastellösungen kosten oft mehr als eine abgestimmte Planung.

Speicher: Wärme puffern oder Strom speichern

Ein Batteriespeicher verschiebt Solarstrom vom Mittag in den Abend, aber nicht vom Juli in den Januar. Für die Wärmepumpe ist ein thermischer Speicher deshalb oft der günstigere Hebel.

Speicherart Was er leistet Grenzen
Warmwasserspeicher lädt Mittagsüberschuss als Warmwasser ein begrenzte Kapazität, Hygiene und Legionellenschutz beachten
Pufferspeicher überbrückt einige Stunden im Heizbetrieb Platzbedarf, Wärmeverluste
Gebäudemasse, etwa Fußbodenheizung Raumtemperatur moderat anheben Komfortgrenzen
Batteriespeicher Strom für Abend und Nacht teuer pro kWh, kein Saisonspeicher

In der Übergangszeit kann eine Batterie den Solaranteil zusätzlich steigern, weil die Wärmepumpe dann oft abends läuft. Ob sich das rechnet, zeigt unser Beitrag zu Stromspeicher-Kosten 2026.

Netzregeln und Tarife: § 14a EnWG und Wärmepumpenzähler

In Deutschland gelten Wärmepumpen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung, die seit 2024 neu in Betrieb gehen, als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Der Netzbetreiber darf ihren Strombezug aus dem Netz bei drohender Überlastung vorübergehend drosseln, eine Mindestleistung bleibt garantiert. Im Gegenzug zahlen Sie reduzierte Netzentgelte. Dafür gibt es verschiedene Module, etwa eine pauschale Reduzierung oder einen reduzierten Arbeitspreis mit separatem Zähler. Welche Variante sich lohnt, hängt von Ihrem Verbrauch ab.

Vorsicht bei getrennten Zählern: Läuft die Wärmepumpe über einen eigenen Zähler mit Sondertarif, kann sie nicht ohne Weiteres Solarstrom vom Dach nutzen. Dafür braucht es ein passendes Messkonzept, etwa eine Kaskadenschaltung. Klären Sie das mit Installateur und Netzbetreiber, bevor der Zählerschrank geplant wird.

§ 14a EnWG gilt nur in Deutschland. In Österreich klären Sie Anschluss, Leistungsgrenzen und Tarifoptionen direkt mit Ihrem Netzbetreiber und Energielieferanten.

Förderung: Wärmepumpe ja, PV-Anlage auf anderem Weg

Deutschland: Der Heizungstausch wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt. Für selbstnutzende Eigentümer läuft der Zuschuss für Wärmepumpen Stand 2026 über die KfW. Er setzt sich aus einer Grundförderung und möglichen Boni zusammen, etwa für den Austausch einer alten fossilen Heizung, für niedrigere Haushaltseinkommen oder für besonders effiziente Geräte. Beantragt wird vor Beginn der Maßnahme, in der Regel auf Basis eines unterschriebenen Vertrags mit Förderklausel. Weil Fördersätze und Bedingungen mehrfach angepasst wurden und politisch diskutiert werden, prüfen Sie den aktuellen Stand direkt bei der KfW.

Die PV-Anlage ist nicht Teil der BEG-Heizungsförderung. Sie profitiert von anderen Bausteinen wie dem Nullsteuersatz und der Einspeisevergütung. Einen Überblick bieten unser Leitfaden zur Solarförderung in Deutschland und der Beitrag zur Photovoltaik Förderung 2026.

Österreich: Heizungstausch und PV werden über Bundes- und Landesprogramme gefördert, deren Bedingungen sich zuletzt mehrfach geändert haben. Den aktuellen Rahmen für Solaranlagen fasst unser Ratgeber zur Photovoltaik-Förderung in Österreich zusammen.

Fachbetrieb für PV und Wärmepumpe finden

Ideal ist ein Betrieb, der beide Gewerke plant oder eng mit einem Partner zusammenarbeitet: Elektro und PV auf der einen Seite, Heizung und Hydraulik auf der anderen. So gehen Sie mit PVFirms vor:

  1. Öffnen Sie das Verzeichnis der Solarfirmen in Deutschland oder der Solarfirmen in Österreich und filtern Sie nach Ihrer Region. Mit Stand Oktober 2026 listet PVFirms 691 Unternehmen in Deutschland und 147 in Österreich.
  2. Grenzen Sie über die Kategorie Installateure ein und prüfen Sie in den Profilen, ob Wärmepumpen oder Energiemanagement zum Leistungsumfang gehören.
  3. Achten Sie auf den Verifizierungsstatus. Bei verifizierten Firmen wurden Identität, Registrierung und mindestens ein echter Kundenauftrag anhand von Dokumenten geprüft.
  4. Fordern Sie kostenlos zwei bis drei Angebote an und vergleichen Sie, ob Schnittstellen, Messkonzept und Speicher konkret beschrieben sind.

Häufige Fragen

Kann eine PV-Anlage die Wärmepumpe komplett versorgen?

Rechnerisch kann eine große Anlage über das Jahr so viel Strom erzeugen, wie die Wärmepumpe verbraucht. Zeitgleich nutzen lässt sich davon aber nur ein Teil, weil der Ertrag im Winter gering ist. In den kalten Monaten beziehen Sie den Großteil des Heizstroms weiterhin aus dem Netz. Eine vollständig solare Wärmeversorgung ist im Einfamilienhaus mit vertretbarem Aufwand kaum machbar.

Lohnt sich zusätzlich ein Batteriespeicher?

Das hängt vom Verbrauchsprofil ab. Ein Speicher hilft vor allem in der Übergangszeit, wenn tagsüber Überschuss entsteht und die Wärmepumpe abends heizt. Im tiefen Winter bleibt er oft leer, weil kaum Überschuss anfällt. Nutzen Sie zuerst den günstigen Warmwasserspeicher und rechnen Sie die Batterie anschließend mit realistischen Annahmen durch.

Kann ich eine Wärmepumpe an eine bestehende PV-Anlage anschließen?

Ja. Wichtig sind eine Messung am Netzanschlusspunkt, eine Schnittstelle wie SG-Ready und ein passendes Zählerkonzept. Bei älteren Anlagen mit Volleinspeisung muss das Messkonzept unter Umständen umgestellt werden, damit Eigenverbrauch überhaupt möglich ist. Lassen Sie die bestehende Anlage vorab von einem Elektrofachbetrieb prüfen.

Welche Wärmepumpe passt am besten zu einer Solaranlage?

Gut geeignet sind effiziente Geräte mit drehzahlgeregeltem Verdichter, weil sie ihre Leistung fein an den Solarstrom anpassen können. Achten Sie außerdem auf SG-Ready oder eine digitale Schnittstelle, die Ihr Energiemanager versteht. Ein ausreichend großer Warmwasser- oder Pufferspeicher erhöht den Spielraum. Wichtiger als die Marke ist eine Auslegung nach Heizlast.

Ihr nächster Schritt

Lassen Sie Wärmepumpe und PV-Anlage als Gesamtsystem planen, mit einer Simulation auf Basis Ihres tatsächlichen Verbrauchs. Passende Fachbetriebe finden Sie im Verzeichnis der Solarinstallateure auf PVFirms, kostenlos und ohne Registrierung.